Vielgestaltige Ausdrucksqualitäten: „Erdenschönheiten“ komponierte Gerda Poppa nach einem Text von Christian Morgenstern. Inspiration waren unter anderem der aufklarende Himmel und die Erholung der Natur durch die Reduktion der umweltzerstörenden Aktivitäten während der Corona-Lockdowns 2022. Erstmals interpretierte Martin Summer den Liederzyklus anlässlich der Kompositions-Preisverleihung an Gerda Poppa im Jahr 2024. Die Aufführung des Liederzyklus in Schruns bot nun ein willkommenes Wiederhören dieser vielsagenden Komposition.
Im ersten Lied „Für Viele“ breitete der Pianist einen weit gesteckten Rahmen für den eher im Rezitationston gehaltenen Gesangspart aus. Die Textverständlichkeit, mit der Martin Summer die Vokallinien formte, unterstrich den Aussagegehalt hervorragend. Im zweiten Lied „Du bist mein Land“ traten der Sänger und der Pianist in einen feinsinnigen musikalischen Dialog, in dem die Wellenbewegungen des an Land fließenden Wassers plastisch ausgedeutet wurden. Vokalisen bildeten die Grundlage für „Fisches Nachtgesang“. Diese Passage implizierte Weite und brachte die obertonreiche Stimme des Bassisten zur Geltung.
Auf die rhythmisierte Melodielinie ging der Pianist im „Waldkonzert“ ein. Zudem belebten Registerwechsel sowie bewusst in den Vordergrund gestellte Tonqualitäten unterschiedlicher Lautgebungen den musikalischen Duktus. Im Vergleich zu den Textinhalten wirkte der musikalische Ausdruck in „Hier im Wald mit dir zu liegen“ zwar mit schwebendem Charakter, insgesamt jedoch etwas zu hart. Spitz gesetzte Tonrepetitionen und reibende Intervalle drängten im straff artikulierten Abschlusslied „Kleine Erde“ nach vorne und regten mit dem offenen Schluss zum Weiterdenken an.
Silvia Thurner, Kultur online