geb. am 1. Januar 1963 in A-Feldkirch, wohnhaft in A-6832 Röthis

  • Nach mehrjährigem vorbereitendem Klavier- und Orgelunterricht Orgelstudium bei Bruno Oberhammer am Landeskonservatorium Feldkirch.
  • 1995 Abschluss des Studiums mit Konzertdiplom.
  • 2002–2004 Studium Orgelimprovisation bei Jürg Brunner in St. Gallen und sonstige Weiterbildung durch Meisterkurse, Workshops usw.
  • Organistin hauptsächlich an der Basilika Rankweil (seit 1982) und den evangelischen Kirchen Feldkirch und Grabs/CH
  • Konzerttätigkeit als Solistin und in verschiedenen Ensembles in Österreich und der Schweiz.

Durch die intensive Beschäftigung mit Orgelimprovisation hat sich für Gerda Poppa ab 2003 die Welt der Komposition geöffnet und immer mehr Raum eingenommen. Nach vorbereitenden Studien bei Michael Buchrainer und Helmut Sonderegger folgte das Kompositionshauptstudium ab 2009 bei Herbert Willi. Der Abschluss des Studiums erfolgte 2015 mit Auszeichnung (Staatsdiplom). Zur instrumentalen Weiterbildung nimmt die Komponistin seit mehreren Jahren Schlagzeugunterricht.

Im Jahr 2024 wurde Gerda Poppa mit dem mit € 10.000,00 dotierten Kompositionspreis des Landes Vorarlberg ausgezeichnet. Sie sei vielseitig und experimentierfreudig und habe sich vor allem durch ihren ungewöhnlichen Zugang zur Neuen Musik und durch ihre vielschichtigen und unterschiedlichen Auftragswerke hervorgetan, hieß es in der Begründung der erweiterten Kunstkommission. Die Preisträgerin zeige eine gleichzeitig unaufdringliche und spürbare Präsenz in Vorarlberg und weit darüber hinaus, die in den letzten Jahren große Wirkung gezeigt habe. (Laudatio von Dr. Nikolaus Brass anlässlich der Verleihung siehe unten)

Die Kompositionen entstehen für verschiedenste Besetzungen, Themen, Schwierigkeitsgrade und Dauern. Die verwendeten Stilmittel richten sich nach dem Thema des Stücks, der Besetzung, der gewünschten Aussage und auch nach der Inspirationsquelle.

Kompositionsaufträge erfolgten u.a. durch: Wiener Concert-Verein (mehrfach), Ensemble Plus (mehrfach), Schallwende–Festival für Neue Musik (mehrfach), Symphonieorchester Vorarlberg, Freundeskreis der Basilika Rankweil, Evangelische Kirche Vorarlberg, Basilikachor Rankweil, Verein Basilikakonzerte Rankweil (mehrfach), Kammerchor Feldkirch, Janus- Ensemble sowie Einzelmusiker:innen wie Hanna Bachmann (Klavier), Veronika Dünser (Altstimme) und Jonas Ellensohn (Horn).

Aufführungen in mehreren Bundesländern Österreichs, in Luxemburg, Norditalien, Deutschland, England, der Slowakei und der Schweiz.

Laudatio von Dr. Nikolaus Brass anlässlich der Verleihung des Kompositionspreises des Landes Vorarlberg
Liebe Gerda Poppa, meine sehr verehrten Damen und Herren, der Vorarlberger Kompositionspreis 2024 geht an Gerda Poppa. Das ist eine große Freude, für die Preisträgerin, für das Land und für viele in diesem Land. Ich finde es großartig, dass es so etwas wie den Vorarlberger Kompositionspreis gibt. Also mit Betonung auf: Komposition. Ein nur etwas älterer Kollege von mir, sehr erfahren in Kompositionsdingen und lebenslang als Korrepetitor an der Bayerischen Staatsoper tätig, erzählte gerne folgende Familienszene: Als er als junger Mann vom Land sich aufmachte, nach München zum Kompositionsstudium zu übersiedeln, und am Familientisch alle nochmal alles beredeten, da sagte die Großmutter: „Mei Bua, komponieren, des hams früher g‘macht, des macht ma heut nimmer. Des muss a Fehler sein, mit dem Kompositionsstudium“.
Gerda Poppa, war das ein Fehler mit dem Kompositionsstudium? Denn das ist ja gar nicht so falsch gesehen von der Großmutter. Sind in der allgemeinen Öffentlichkeit, also in den Musikprogrammen des Rundfunks, der Städtischen Orchester, ja auch der örtlichen Musikvereine, nicht fast ausschließlich Musiken zu hören, „die’s früher g‘macht ham“? Leicht kann man auf den Gedanken
kommen, dass wir musikalisch nur noch oder doch überwiegend von der Vergangenheit leben. Und den neuesten Song, den man im Radio hört, verbindet man nicht primär mit „Komponieren“. Das ist halt der Songwriter, die Liedermacherin, oder am besten die „Popikone“, der das eingefallen ist. (Selten wird bewusst, dass hinter den Produkten der Pop-Industrie aber in den meisten
Fällen keine genuin musikalische Idee, sondern nur eine gut funkonierende Vermarktungsindustrie steht mit angestellten Musikern und Computerspezialisten, die mit ihren kommerziell designten Produkten auf vermeintliche oder wirkliche „Bedürfnisse“ eines durch Social Media durch und durch konditionierten Publikumsgeschmacks reagieren, bzw. diesen erst herstellen).
Also, was hat es auf sich mit dem Komponieren heute? Und einem Kompositionspreis, den ein österreichisches Bundesland verleiht und damit dem „Komponieren“ einen hohen künstlerischen Stellenwert einräumt und diese Tätigkeit durch den Preis besonders würdigt?

Ich denke, gerade die künstlerische Position und die bisherige Arbeit der diesjährigen Preisträgerin können uns hier eine Antwort geben, wohl wissend, dass in einer pluralen und diversen Gesellschaft wie der unsrigen, es immer auch andere Aspekte gibt, die zum Gesamtbild gehören. Aber, warum ist es mehr als stimmig, dass Gerda Poppa den Vorarlberger Kompositionspreis 2024 zugesprochen bekommen hat?
Wer ortsunkundig Gerda Poppa besuchen will, erhält von ihr folgende Anweisung: „Sie fahren auf der A 14 bis zur Abfahrt Klaus, dort biegen Sie rechts ab bis zum Kreisverkehr. Dort nehmen Sie die dritte Ausfahrt Richtung Rankweil/Feldkirch. Sie fahren bis zum nächsten Kreisverkehr und nehmen die zweite Ausfahrt Richtung Sulz/Röthis. Sie bleiben auf dieser Straße, bis Sie in Sulz/Röthis wieder zu einem Kreisverkehr kommen. Bitte zweite Ausfahrt nehmen und geradeaus fahren, bis Sie rechts ein Busterminal sehen. Daran fahren Sie noch vorbei, dann kommt gleich links eine Abbiegung Richtung Viktorsberg. Diese Straße fahren Sie weiter, es beginnt bergauf zu gehen. Links ist die Röthner Kirche. Ab der Kirche ist es dann 1 km den Berg hinauf – zuerst eine weit gezogene Linkskurve, nach einem geraden Stück eine enge Rechtskurve. Gleich danach sehen Sie linker Hand drei Häuser recht eng nebeneinander, das mittlere ist unseres. Die Hausnummer 51 a ist am Garagentor angebracht. Für alle Fälle gebe ich Ihnen noch meine Handynummer …“.
Warum ich das zitiere? Weil Sie anhand dieser Wegbeschreibung meiner Meinung nach einige wichtige Charakteriska erkennen können, wie Gerda Poppa komponiert. Zunächst: Alles hat eine klare Struktur, eine gewisse Nüchternheit (auf den
ersten Blick). Diese Nüchternheit (Formklarheit) wird ausbalanciert durch große Anschaulichkeit und Präzision im Detail (der wievielte Kreisverkehr?, die Form der Kurven, dass man an etwas noch vorbeifährt, aber dann … etc.) Besonders charakteristisch: Beharrlichkeit in der Ausführung (das genau ausgeführte Detail eingebettet in den Fluss des Ganzen: also z.B. dass die drei Häuser, auf die die ganze Schilderung ja hinausläuft, „recht eng nebeneinander“ stehen und dass „die Hausnummer 51 a (…) am Garagentor angebracht“ ist). Zuletzt, und das ist wichtig: das Moment einer gewissen Ironie und Lust an der Überraschung. Nach dieser elaborierten, detailgenauen Ausführung wird in der Coda als Subtext mitgeliefert: „wenn Sie bei meiner genauen Ausführung nicht
alles mitbekommen haben, können Sie mich auch anrufen …“.
Also, das wusste ich noch nicht, als ich Ihre Wegbeschreibung bekam, liebe Frau Poppa, dass darin auch Elemente Ihrer Kompositionsprinzipien versteckt sind. Als ich dann Ihre Partituren las und noch mehr von Ihrer Musik hörte, da wusste ich: ja, so wie in dieser alltäglichen Wegbeschreibung, erfasst und verarbeitet Gerda Poppa Wirklichkeit, also auch musikalische Wirklichkeit. Wie hier in diesem profanen Text ist auch in Ihrer Musik alles klar strukturiert, präzise im Detail, alles in Beziehung (d. h. alles Erscheinende an seinem bestmöglichen Platz), und in manchen Stücken: ein kräftiger, aber immer mitfühlender Humor. Das Komponieren steht bei Gerda Poppa mitten im Leben, oder vielleicht treffender: Das Komponieren ist eine Art von Leben, ist eine Art der
Wirklichkeitserfassung und -verarbeitung.

Durch das Improvisieren sei sie zum Komponieren gekommen, hat Gerda Poppa mir erzählt. Also auch hier ein direkter Bezug zu einem Lebensvollzug. Denn was ist näher am Leben, als in der Verkörperlichung durch die musikalische Aktion, den momentanen Impulsen eines Bewusstseins zu folgen, das sich zu den tieferen Schichten der Erfahrung, des Gefühls und der stummen
Befindlichkeit des Tonus, der Lebensspannung des Körpers hin öffnet? Dass diese musikalische Direktheit mental gefasst, verstetigt und in einem gewissen Maße „wiederholbar“, das heißt „ästhetisiert“ werden konnte, das verdankt sie ihrem Kompositionsstudium am damaligen Landeskonservatorium in Feldkirch, das sie zwischen 2009 und 2015 bei Herbert Willi absolvierte und abschloss.
Aber zurück. Nicht so schnell, würde Gerda Poppa sagen. Die Exposition muss eine klare Materialdisposition aufweisen, gerade, wenn das Material sich aus heterogenen Elementen zusammensetzt. Wie hat es angefangen?
Unsere Preisträgerin ist – welch ein schönes Datum – am Neujahrstag des Jahres 1963 in Feldkirch geboren, in Rankweil aufgewachsen und wohnt – jeder findet jetzt den Weg zu ihr – in Röthis, auf halber Höhe auf der Sonnseite über dem Rheintal, das sich hier nach Südwesten schon weit ausbreitet gegen die Schweizer Berge. Die Talfläche etwas im Dunst, Verkehr, Industrie, ein fernes Grummeln aus der Tiefe. Die mittlere Nähe beim Blick nach Süden ist gekennzeichnet durch die markante Silhouette der Rankweiler Basilika, dahinter die bewaldeten Berg-Ausläufer, die den Eingang zum Montafon modellieren und dabei Feldkirch in diesem Panorama fast verstecken. Ich schildere das, weil diese überwältigende Plastizität des täglichen Ausblicks in meiner Vermutung etwas zu tun haben dürfte mit der Ausbildung von und der täglichen Nahrung für die innere Gestaltungskraft derjenigen, die in dieser Welt des Aus- und Überblicks zu Hause ist.
Wo ist die Musik in einer solchen Welt? Zunächst einmal in der Kirche und bei der Blasmusik. Rankweil und die Basilika und deren Orgel sowie Feldkirch mit seiner Kirchenmusik spielen eine wichtige Rolle im Leben von Gerda Poppa und der erste Schritt in die Berufswelt der Musik war ein Orgelstudium bei Professor Bruno Oberhammer am Landeskonservatorium Feldkirch mit Abschluss und Konzertdiplom 1995. Aber – wir haben es schon erwähnt – neben dem Interesse an Struktur und Übersicht gibt es bei Poppa auch den Drang, den inneren musikalischen Impulsen spontan nachzugehen. Also schloss sie zwischen 2002 und 2004 ein Studium der Orgelimprovisation bei Jürg Brunner in St. Gallen an, ergänzt durch Meisterkurse und Workshops bei verschiedenen
Organisten, darunter Michael Radulescu oder Martin Haselböck.
Die Orgel wurde früh zum Garant des Broterwerbs, schon 1982 hatte Gerda ihre erste Anstellung an der Rankweiler Basilika, später ergänzt durch Dienste an den evangelischen Kirchen Feldkirch und Grabs in der Schweiz. Früh begann auch eine rege Konzerttätigkeit als Solistin und in verschiedenen Ensembles in Österreich und der Schweiz. Aber diese Lebensspur war nicht alles. Sicher war
die „Erdung“ durch diese „Musikdienste“ wichtig, nicht nur im ökonomischen Sinn, aber in Gerda Poppa blieb es nicht ruhig. Durch die Improvisation war die Orgel zum Ausgangspunkt des nächsten Schrittes in der zielstrebigen Entwicklung dieser umfassend ausgebildeten Komponistin geworden: Herbert Willi ist der Name, der jetzt zum zweiten Mal fallen muss, denn bei ihm
studierte Gerda Poppa ab 2009 am Landeskonservatorium im Hauptfach Komposition und schloss dieses Studium 2015 mit Auszeichnung ab. „Herbert Willi hat mir wieder eine neue Welt erschlossen. Die Beharrlichkeit der Ausarbeitung, die Genauigkeit im Detail und überhaupt das Wichtigste beim Komponieren: das Verständnis der Zeitvorgänge in einer Komposition – das habe ich von ihm gelernt und dafür bin ich so dankbar.“ Wenn Gerda Poppa über ihren Kompositionsmentor spricht, so ist diese Dankbarkeit für die Unterstützung auf dem Weg zur eigenständigen Komponistin auch heute noch deutlich spürbar.

Nun, worin liegt ihre Eigenständigkeit? Gerda Poppa schreibt keine Avantgarde-Musik, aber sie schreibt Neue Musik. Das heißt, ihre Musik reflektiert genau die Fragen: für wen?, an welchem Ort?, warum jetzt? Sie verfügt über eine große stilistische Bandbreite, die sie aber nicht willkürlich, sondern sehr reflektiert einsetzt. Bei jedem Takt ihrer Musik in den unterschiedlichsten Besetzungen
sieht und hört man: sie weiß genau, was sie tut. Und sie „arrangiert“ keine Effekte, jedes gewählte Element, sei es harmonischer, rhythmischer oder farblicher Natur, hat immer eine für das Stück essentielle, konstruktive Bedeutung, die dem Hörer in den meisten Fällen klar vor die Ohren tritt. Welcher Art diese „Bedeutung“ ist, lässt sich bei reiner Instrumentalmusik natürlich nicht widerspruchsfrei aussagen, denn dann bräuchte man sich ja nicht durch ein Kompositionsstudium plagen, und man wäre besser bei Kursen für creative writing aufgehoben, aber dass etwas ausgesagt wird – ich sprach vorhin von einem spezifischen Weltverständnis, von dem man etwas aus Poppas Musik erfährt, das wird schnell klar, wenn man sich auf ihre Musik einlässt.
Zu dem Weltverständnis, das ich aus Gerda Poppas Musik heraushöre, gehört sicherlich etwas wie der Ausdruck von Freundschaft. Sie nimmt es sehr ernst, für wen sie schreibt. Wenn beispielsweise für das Abschlusskonzert eines aus Kindertagen befreundeten Hornisten ein 20-minütiges Pflichtstück gefordert ist, so schreibt sie unter dem Titel Pas de deux zum einen ein „Bravourstück“, mit
dem der Solist glänzen kann, zum andern ein inniges Stück der Freundschaft, und zum dritten ein fetziges Stück purer Lebensfreude im Stile eines Rap. Und wenn im Auftrag besondere Spieltechniken gefordert sind, dann werden diese besonderen Klangäußerungen des Instrumentalisten nicht „vorgeführt“ als modernistische Klang-Accessoires, sondern sie werden ganz organisch aus der
Gesamtdisposition und der speziellen musikalischen Rhetorik bzw. der Choreographie dieses Pas de deux entwickelt.
Oder im Zyklus Erdenschönheit, den wir heute in der Fassung für Bariton und Klavier als österreichische Erstaufführung hören: Welches Weltverständnis tritt uns hier entgegen? Sicherlich das der Ironie und des doppelten Bodens. Der Text von Christian Morgenstern tritt zur Musik und entfaltet seine verbale Bedeutungs- und Verständnisebene, aber es gibt darin ja das berühmte Gedicht ohne Text – Fisches Nachtgesang – und dazu hat Gerda Poppa Musik gefunden, „die vielleicht so klingt, wie wenn ich ein Unterwasserwesen wäre und unter Wasser singen würde“. Also eine „unmögliche“ Musik. Hier ist es also wieder allein die poetische, die „erschaffende“ Kraft der Musik, die zu uns spricht, mal skurril, ironisch, mal innig und direkt. Wovon spricht sie? Von der Erden
Schönheit. Ich meine, man kann keinen Liederzyklus mit dem Titel Erdenschönheit schreiben, ohne es ernst zu meinen mit der – gefährdeten – Schönheit der Erde.
Zuletzt möchte ich noch eine Komposition aus der bis heute über 40 Werke umfassenden Werkliste von Gerda Poppa nennen, das in jeder Dimension ausgreifende Oratorium OmegAlpha, das am 30. Juni diesen Jahres in der Basilika Rankweil unter der Gesamtleitung von Benjamin Lack durch den Kammerchor Feldkirch, ein Kammerorchester, Julia Rüf-Winder, Orgel und mit den Solist:innen Martin Summer, Bass, Lea Elisabeth Müller, Mezzo-Sopran und Veronika Dünser, Alt, uraufgeführt worden ist. Für dieses, die Texte der Johanneischen Apokalypse aufrufende Werk hat Gerda Poppa den Text aus der deutschen Einheitsübersetzung der Offenbarung des Johannes mit eigenen Texten und einem Text von Goethe angereichert. Die Apokalypse in OmegAlpha ist ein zeitloser, schonungsloser, das Heute umgreifender Blick auf die Möglichkeit der Zerstörung der Welt durch den Menschen. Es gibt ungemein eindrückliche musikalische Bilder des Endens und des Aufhörens von etwas, das wir kennen und das wir lieben (nämlich die Erdenschönheit, die Schönheit der Natur und die Schönheit eines geliebten Antlitzes). Aber der Blick auf die Kraft der Zerstörung ist nicht der letzte Blick. Der letzte Blick dieses Werkes gilt dem göttlichen Licht, aus dessen Leere wieder (in einem immerwährenden
Kreislauf?) die Gestalten der Welt entstehen. Nach dem Ende, im Ende des Omega, das Alpha des Beginnens.
Bei diesem Werk, das während der ersten 50 Minuten wie eine negative Antwort auf die Haydnsche Schöpfung anmutet und erst in den letzten 10 Minuten vom Licht erzählt, beantworten sich die Fragen: Für wen?, für welchen Ort?, warum jetzt? von selbst. Das ist eine Musik für uns heute, sie ist verbunden mit dem Ort der Herkunft und des praktischen Wirkens, sie ist in der Uraufführungs-realisierung ein Zeichen der kreativen Vielfalt dieses Landes und sie ist ein Meilenstein in der künstlerischen Entwicklung der Vorarlberger Komponistin Gerda Poppa.
Liebe Gerda Poppa, ich gratuliere Ihnen nochmals ganz herzlich. Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen.
Nikolaus Brass
Bregenz, 7. 10. 2024

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